{"id":33,"date":"2014-02-15T23:37:58","date_gmt":"2014-02-15T21:37:58","guid":{"rendered":"http:\/\/schreibkultur.requirements.de\/?page_id=33"},"modified":"2020-05-17T17:17:47","modified_gmt":"2020-05-17T15:17:47","slug":"fuellfederhalter","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/?page_id=33&lang=de","title":{"rendered":"F\u00fcllfederhalter"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/IMG_1265.jpg)\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beginn<\/h2>\n\n\n\n<p>Mein erster F\u00fcllfederhalter war ein Geschenk meiner Gro\u00dfeltern und begleitete mich die ersten Jahre meiner Grundschulzeit. Es handelte sich um einen Kolbenf\u00fcller aus dem Hause Faber-Castell und war mit einer Goldfeder ausgestattet. Obwohl die Zeit schon lange zur\u00fcck liegt, glaube ich dennoch, dass er einen dunkelgr\u00fcnen Korpus besa\u00df. F\u00fcr Kinderh\u00e4nde, die gerade die ersten Schreibversuche machen, vielleicht zu schade.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pelikan und Geha<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kolbenf\u00fcller war sch\u00f6n, aber dessen wahrer Wert wurde damals nicht erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kolbenf\u00fcller, das war wie eine Kohleheizung.&nbsp;Entweder&nbsp;ging die&nbsp;Tinte zur Neige oder man holte sich die ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten &#8222;Tintenpfoten&#8220; beim Bef\u00fcllen des F\u00fcllers.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Zeiten \u00e4nderten sich und moderne Zeiten brachen. Die moderne Zeit brachte mir den Patronenf\u00fcller. Zuerst war es ein blauer Pelikan mit silberner Kappe, sp\u00e4ter dann der gr\u00fcne Geha, der durch seinen Reservetank \u00fcberzeugte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage &#8222;Pelikan vs. Geha&#8220; war damals eine Frage der Philosophie der analogen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile ist die Fragestellung eher einem &#8222;Windows vs. Linux&#8220; oder &#8222;Windows vs. MacOS&#8220; gewichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals wie heute eine Frage, die eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig ist. Meine Meinung dazu ist &#8222;it depends &#8230;&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die wilden Jahre<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach der Grundschulzeit begann die wilde Zeit. Der Zwang zum Schreiben mit einem F\u00fcllfederhalter entfiel und so wurden Schreibger\u00e4te querbeet genutzt. Kugelschreiber, Filzschreiber, Tintenroller. &#8222;Querbeet&#8220; bedeutete aber auch, dass die Handschrift merklich schlechter wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang bewundere ich immer wieder Lehrer, die \u00fcber ausgepr\u00e4gte F\u00e4higkeiten zur Zeichen- und Mustererkennung verf\u00fcgen und gegen\u00fcber entsprechenden Algorithmen klar im Vorteil sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Besserung in Sicht<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Studium waren Mitschriebe mitunter die einzige M\u00f6glichkeit, eine Vorlesung zu dokumentieren. Vorgefertigte Skripte waren eher die Seltenheit, Online-Dokumente oder E-Books noch nicht &#8222;erfunden&#8220;.<br>Sp\u00e4testens bei der Wiederverwendung der Mitschriebe, oftmals Wochen oder Monate sp\u00e4ter, zeigte sich, dass eine leserliche Handschrift durchaus Vorteile hat.<br>Und es wurde wieder mit einem F\u00fcllfederhalter geschrieben, der erste Kontakt zu Lamy entstand.&nbsp;Ein&nbsp;matt-schwarzer Safari \u00fcberzeugte durch Funktion, Komfort und Design. Passend zum&nbsp;Lamy wurde&nbsp;schwarze Tinte verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Berg ruft<\/h2>\n\n\n\n<p>Schwarz &#8211; Gold &#8211; Wei\u00df = Edel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_002.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"168\" src=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_002-300x168.jpg\" alt=\"WP_20140308_002\" class=\"wp-image-406\" srcset=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_002-300x168.jpg 300w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_002-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_002-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Kombination fand ich vor etlichen Jahren bei &#8222;Hans Rehn&#8220;, einem mittlerweile leider nicht mehr existierenden Fachgesch\u00e4ft in Stuttgart.<br>Ein Montblanc &#8222;Meisterst\u00fcck 146&#8220;, versehen mit einer 14K 585 M-Feder, war (m)ein Traum, den ich mir als Geschenk zum Abschluss des Studiums machte. Damit sich der F\u00fcllfederhalter nicht ganz so einsam f\u00fchlte, wurde es dann doch ein ganzes Set, mitsamt Kugelschreiber und Drehbleistift.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"168\" src=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_003-300x168.jpg\" alt=\"WP_20140308_003\" class=\"wp-image-407\" srcset=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_003-300x168.jpg 300w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_003-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_003-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Anschreiben durfte ich das Meisterst\u00fcck dann mit einer blau-schwarzen Tinte, ebenfalls aus dem Hause Montblanc. Eine wundersch\u00f6ne Tinte, die allerdings als Eisengallustinte eine h\u00e4ufige Reinigung des F\u00fcllfederhalters erfordert. Als dokumentenechte Tinte ist sie zudem&nbsp;ein Garant f\u00fcr&nbsp;l\u00e4nger anhaltende &#8222;Tintenpfoten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber diese Feder &#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_021.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"168\" src=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_021-300x168.jpg\" alt=\"WP_20140308_021\" class=\"wp-image-405\" srcset=\"https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_021-300x168.jpg 300w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_021-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140308_021-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8230; Schreibgenuss pur.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Joe Cocker brachte 1978 ein Album mit dem Titel &#8222;Luxury You Can Afford&#8220; heraus und diese Formulierung dr\u00fcckt so ziemlich genau das Gef\u00fchl aus, das ich mit meinem Meisterst\u00fcck verbinde.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">eBay<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Montblanc war lange Jahre ein treues und zuverl\u00e4ssiges Schreibwerkzeug (und ist es immer noch). St\u00e4ndig in Benutzung, Projektnotizen, Briefe, Unterschriften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8230; to be continued &#8230;<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/schreibkultur.requirements.de\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/WP_20140216_023.jpg)\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\">&#8230; Baustelle &#8230;<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mythos Goldfeder<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine verbreitete Annahme ist, dass erst eine Goldfeder das perfekte Schreiberlebnis bietet UND (!!!) dass die Goldfeder den teilweise hohen Preis eines F\u00fcllfederhalters rechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu folgende Punkte, die aus Erfahrungen und aus Fakten basieren:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Es gibt hervorragend Stahlfedern, die sich bez\u00fcglich Schreibqualit\u00e4t nicht vor Goldfedern verstecken m\u00fcssen. Modelle von Faber-Castell, Leonardo, TWSBI oder anderen Herstellern, die in der g\u00fcnstigen Variante mit Stahlfedern ausgestattet sind, bieten eine erstklassige Qualit\u00e4t, die sich kaum oder \u00fcberhaupt nicht vom Schreibverhalten der teuren Goldfedern unterscheiden.<\/li><li>Der Materialpreis einer Goldfeder bewegt sich im Bereich zwischen 5-15\u20ac (abh\u00e4ngig davon welchen Goldgehalt und welche Gr\u00f6\u00dfe die Feder besitzt). Selbst eine Feder aus purem Gold w\u00fcrde nicht jene Preise rechtfertigen, die teilweise f\u00fcr Goldfedern verlangt werden (abgesehen davon, w\u00e4re eine Feder aus purem Gold aufgrund des weichen Materials alles andere als eine angenehme Feder). Wer den Aufpreis vergleicht, der bei eigentlich allen Herstellern (sofern diese ein Modell sowohl mit Stahl- als auch mit Goldfeder anbieten), der reibt sich mitunter die Augen, wenn die Goldfeder mit einem Plus von 100-200\u20ac aufgerufen wird. Wodurch wird dieser Preis gerechtfertigt?<ul><li>Die Goldfeder wird durch zus\u00e4tzliche Arbeiten verfeinert, z.B. Gravuren, Voll- oder Teilrhodinierungen, zus\u00e4tzliche Lackierungen.<\/li><li>Die Goldfeder durchl\u00e4uft eine erweiterte Qualit\u00e4tssicherung, z.B. &#8222;jede Feder wird von Hand eingeschrieben&#8220;.<\/li><li>&#8230;<\/li><li>UND &#8230; der Kunde bezahlt den Preis &#8230;<\/li><li>&#8230; dazu folgendes Beispiel (basierend auf dem Goldpreis 11\/2019):<ul><li>585 (= 0,585%) Gold (14 K):  19\u20ac\/g<\/li><li>750 (= 0,750%) Gold (18K):   24\u20ac\/g<\/li><li>Die Feder eines verbreiteten F\u00fcllfederhalter, z.B. Pelikan Souver\u00e4n M400, wiegt ca. 600mg. Somit ist der Materialwert f\u00fcr <ul><li>14K Goldfeder = 19\u20ac\/g * 600mg = 11,40\u20ac<\/li><li>18K Goldfeder = 24\u20ac\/g * 600mg = 14,40\u20ac<\/li><\/ul><\/li><li>Der aktuelle Marktpreis f\u00fcr eine 14K-Ersatzfeder f\u00fcr das o.g. Modell liegt derzeit bei ca. 100\u20ac. Bei diesem Preis ist allerdings eine teilrhodinierte Feder, eine aufwendige Gravur und die Montage auf den Tintenleiter inbegriffen.<\/li><\/ul><\/li><\/ul><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginn Mein erster F\u00fcllfederhalter war ein Geschenk meiner Gro\u00dfeltern und begleitete mich die ersten Jahre meiner Grundschulzeit. Es handelte sich um einen Kolbenf\u00fcller aus dem Hause Faber-Castell und war mit einer Goldfeder ausgestattet. Obwohl die Zeit schon lange zur\u00fcck liegt, glaube ich dennoch, dass er einen dunkelgr\u00fcnen Korpus besa\u00df. 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