Füllfederhalter

Füllfederhalter, das sind doch die unpraktischen Dinger, bei denen man ständig eine „Tintenpfote“ bekommt.

Beginn

Mein erster Füllfederhalter war ein Geschenk meiner Großeltern und begleitete mich die ersten Jahre meiner Grundschulzeit. Es handelte sich um einen Kolbenfüller aus dem Hause Faber-Castell und war mit einer Goldfeder ausgestattet. Obwohl die Zeit schon lange zurück liegt, glaube ich dennoch, dass er einen dunkelgrünen Korpus besaß. Für Kinderhände, die gerade die ersten Schreibversuche machen, vielleicht zu schade.

Pelikan und Geha

Der Kolbenfüller war schön, aber dessen wahrer Wert wurde damals nicht erkannt. Kolbenfüller, das war wie eine Kohleheizung. Entweder ging die Tinte zur Neige oder man holte sich die berühmt-berüchtigten „Tintenpfoten“ beim Befüllen des Füllers. Aber die Zeiten änderten sich und moderne Zeiten brachen. Die moderne Zeit brachte mir den Patronenfüller. Zuerst war es ein blauer Pelikan mit silberner Kappe, später dann der grüne Geha, der durch seinen Reservetank überzeugte.

Die Frage „Pelikan vs. Geha“ war damals eine Frage der Philosophie der analogen Welt. Mittlerweile ist die Fragestellung eher einem „Windows vs. Linux“ oder „Windows vs. MacOS“ gewichen. Damals wie heute eine Frage, die eigentlich überflüssig ist. Meine Meinung dazu ist „it depends on …“.

Die wilden Jahre

Nach der Grundschulzeit begann die wilde Zeit. Der Zwang zum Schreiben mit einem Füllfederhalter entfiel und so wurden Schreibgeräte querbeet genutzt. Kugelschreiber, Filzschreiber, Tintenroller. „Querbeet“ bedeutete aber auch, dass die Handschrift merklich schlechter wurde.

In diesem Zusammenhang bewundere ich immer wieder Lehrer, die über ausgeprägte Fähigkeiten zur Zeichen- und Mustererkennung verfügen und gegenüber entsprechenden Algorithmen klar im Vorteil sind.

Besserung in Sicht

Im Studium waren Mitschriebe mitunter die einzige Möglichkeit, eine Vorlesung zu dokumentieren. Vorgefertigte Skripte waren eher die Seltenheit, Online-Dokumente oder E-Books noch nicht „erfunden“.
Spätestens bei der Wiederverwendung der Mitschriebe, oftmals Wochen oder Monate später, zeigte sich, dass eine leserliche Handschrift durchaus Vorteile hat.
Und es wurde wieder mit einem Füllfederhalter geschrieben, der erste Kontakt zu Lamy entstand. Ein matt-schwarzer Safari überzeugte durch Funktion, Komfort und Design. Passend zum Lamy wurde schwarze Tinte verwendet.

Der Berg ruft

Schwarz – Gold – Weiß = Edel.

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Diese Kombination fand ich vor etlichen Jahren bei „Hans Rehn“, einem mittlerweile leider nicht mehr existierenden Fachgeschäft in Stuttgart.
Ein Montblanc „Meisterstück 146“, versehen mit einer 14K 585 M-Feder, war (m)ein Traum, den ich mir als Geschenk zum Abschluss des Studiums machte. Damit sich der Füllfederhalter nicht ganz so einsam fühlte, wurde es dann doch ein ganzes Set, mitsamt Kugelschreiber und Drehbleistift.

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Anschreiben durfte ich das Meisterstück dann mit einer blau-schwarzen Tinte, ebenfalls aus dem Hause Montblanc. Eine wunderschöne Tinte, die allerdings als Eisengallustinte eine häufige Reinigung des Füllfederhalters erfordert. Als dokumentenechte Tinte ist sie zudem ein Garant für länger anhaltende „Tintenpfoten“.

Aber diese Feder …

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… Schreibgenuss pur.

Joe Cocker brachte 1978 ein Album mit dem Titel „Luxury You Can Afford“ heraus und diese Formulierung drückt so ziemlich genau das Gefühl aus, das ich mit meinem Meisterstück verbinde.

eBay

Der Montblanc war lange Jahre ein treues und zuverlässiges Schreibwerkzeug (und ist es immer noch). Ständig in Benutzung, Projektnotizen, Briefe, Unterschriften.

 

Pelikan neu entdecken

 

Tradition bewahren